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Title: Immanentisierung des Eschatons
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Category: ENDTIMES
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Date: 2008-05-23 05:23
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Slug: immanentisierung-des-eschatons
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Tags: endtimes, discordia, deutsch
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Thumb: /library/1920px-Apocalypse_vasnetsov.jpg
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Seit Robert Anton Wilson diesen Begriff in der Illuminatus! Trilogie als
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furchteinflößende Formel berühmt gemacht hat, wird er immer wieder
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zitiert und als Synonym für die Heraufbeschwörung der Apokalypse
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benutzt. Das Faszinierende an der "Immanentisierung des Eschatons"
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ist, daß jeder Leser dieser Worte sofort die beabsichtigte Assoziation
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in seinem Denkkasten hervorkramt und unwillkürlich an ein Weltenende,
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das Jüngste Gericht, den Untergang des Seins denkt.<!-- PELICAN_END_SUMMARY -->
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Warum wurde diese Formel bisher immer unanalysiert und unreflektiert
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wieder und wieder in Zusammenhang mit der Provokation des Weltuntergangs
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verwendet? Es ist nämlich falsch! War es ein Versehen des Autors? Ein
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Mißverständnis? Ein beabsichtigter Mindfuck?
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Zum ersten Male wurde dieser Begriff von dem deutsch-amerikanischen
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Politologen Eric Voegelin geäußert - allerdings als treibender Faktor
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der politischen Gesellschaft und in seiner ursprünglichen Bedeutung,
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nämlich als Erkenntnis und Emanzipation.
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Der Begriff "Immanentisierung" hat seinen Wortstamm nicht in der
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“Imminenz", was tatsächlich gleichbedeutend ist mit etwas
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unmittelbar Bevorstehendem, mit dem Moment, bevor etwas geschehen wird,
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einer Heraufbeschwörung. Sonst würde es "Imminentisierung" heißen.
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Immanentisierung kommt von Immanenz (lat. immanere, "darin
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bleiben"). Imminenz ist der Gegenbegriff zur Transzendenz und
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impliziert eben nicht ein unmittelbares Bevorstehen, sondern ein bereits
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darin Befinden. In der Philosophie Spinozas bedeutet die Immanenz z.B.
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die Anwesenheit Gottes in der Welt, bei Kant in erkenntnistheoretischer
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Sicht das Verbleiben in den Grenzen möglicher Erfahrung.
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Wortwörtlich dekodiert, bedeutet die Immanentisierung des Eschatons also
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"Das Verbleiben in den letzten Dingen", was teleologisch und
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philosophisch interpretiert werden kann als ständige, ewig
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wiederkehrende Präsenz der Apokalypse im momentanen Denken und Handeln.
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Die biblische Apokalypse besteht im Jüngsten Gericht und einer
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anschließenden Errichtung des Gottesreiches. Die Menschen werden nach
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ihrem Handeln und Denken gerichtet und gelangen ins Paradies oder den
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feurigen Höllenpfuhl. Die Immanentisierung derselben darf also nicht
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fälschlicherweise mit ihrer Heraufbeschwörung verwechselt, sondern
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sollte als ihre Gewahrwerdung erkannt werden.
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*"In diesem Leben habe ich die einzige Sache gelernt: daß Hölle und
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Paradies nicht existieren. Wir tragen sie in uns und nehmen sie mit, wo
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auch immer wir hingehen."*
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Wer erkennt, daß das Eschaton keinen jenseitigen oder zukünftigen
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Zeitpunkt darstellt, sondern zu jedem Zeitpunkt im hier und jetzt in uns
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wohnt und unser Handeln bestimmt, versteht seine Wichtigkeit. Wir haben
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zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens die Wahl, Himmel oder Hölle in uns
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selbst zu errichten bzw. die Welt und die Menschen um uns herum in ein
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Reich Gottes oder das Fegefeuer Satans zu verwandeln. Auch wenn wir die
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biblische Apokalypse beiseite lassen wollen, macht diese Formel Sinn:
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wir haben immer die Wahl, in der Welt zu LEBEN, oder dieser Welt
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abzuschwören, sie zu beenden - in jeglicher Hinsicht. Aus sowohl
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nietzscheanischer Sicht der Ewigen Wiederkehr, als auch
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existenzialistischer Sicht oder in der Philosophie Jiddu Krishnamurtis oder
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Eckhard Tolles oder sonstiger moderner "positive thinking" Prediger
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kann man die Immanentisierung zusammenfassen als: Lebe, als wäre heute
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dein letzter Tag!
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Diese Erkenntnis unterstreicht das diskordische Gebot "nicht DIE
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ANDEREN das Eschaton immanentisieren zu lassen", sondern die Dinge
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selbst in die Hand zu nehmen.
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*"Ich habe nur gesagt, daß jeder den Geist Gottes in sich entdecken
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kann, daß er frei ist, keinem Gesetz unterworfen, unfähig zu schaden.
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Ich habe auch gesagt, daß die Sünde im Kopf des Sünders ist. [...] Das
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wahre Reich Gottes beginnt im Herzen und im Kopf." -*
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*"Über diesem Meer geht jeden Morgen die Apokalypse auf, zusammen mit
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der Sonne."*
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(Zitate aus dem Roman "Q" von Luther Blissett, 1999)
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