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Title: Guter VJ, schlechter VJ - das ewige Thema
Date: 2009-03-06 11:12
Category: blog
Author: Kiritan Flux
Tags: vjism, deutsch
Slug: guter-vj-schlechter-vj
<small>(dieser artikel liegt bei mir schon ewig in der warteschleife und
wird jetzt endlich mal rausgehauen)</small>
Die Frage wann ein VJ 'gut' oder 'nicht so gut' ist wurde schon
unzählige Male unter Kollegen am Kneipentresen und auf vielen
VJ-Festivals diskutiert und meist gerät man in endlose
Diskussionsschleifen über Ästhetik und technisches Know-How. Einen
gemeinsamen Nenner zu finden ist häuftig schwierig, denn trotz der
grenzenlosen technischen Gesichtspunkte bleibt die Diskussion über das
VJing letztendlich eine Diskussion über Kunst und diese scheitert in der
Regel an dem Punkt darüber objektiv urteilen zu können.
Bei [vjcentral.de](http://vjcentral.de "vjcentral.de"), der
erfreulicherweise mittlerweile wieder sehr aktiven Plattform der
deutschsprachigen VJ-Szene, existiert seit 2007 ein nicht
totzukriegender
[Diskussionsthread](http://www.vjcentral.de/topic.php?tid=141 "vjcentral.de"),
der sich genau dieser Frage widmet und eine Zusammenfassung darüber ist
schon längst überfällig:
<!-- PELICAN_END_SUMMARY -->
[Pixelschubser](http://www.benjaminjantzen.de/) versucht, die Qualitäten
eines VJs an der Nachvollziehbarkeit und Finesse der Umsetzung seines
VJ-Sets festzumachen und bezieht sich dabei auf Aussagen von Paul
Spinrad, dem Autor des VJ-Books. Er zieht einen Hierarchiebogen vom DVD
rippenden und Internet-Clip sammelnden Sample-VJ über den kreativen VJ,
der eigenes Material filmt und am Rechner produziert bis hin zum
genialen VJ-Nerd, der seine eigene Soft- und Hardware bastelt.
Pixelschubser's Qualitätsmaßstab ist Neugier - wenn er sich bei der
Betrachtung eines VJ-Sets fragt, wie zum Teufel das gemacht wurde, dann
bedeutet es für ihn Qualität.
[VJSAW](http://www.vjsaw.com/) hält diesen Maßstab für unzureichend und
hält dagegen, dass ein guter Musiker ja auch nicht nur gut ist, wenn er
sein eigenes Instrument bauen kann, sondern was am Ende dabei rauskommt.
Für VJSAW ist die Qualität eher eine emotionale Reaktion des Betrachters
- "weg geflasht sein" von dem was man sieht bedeutet Qualität. Er räumt
jedoch ein, dass man bei der ganzen Diskussion festhalten sollte, auf
welcher Ebene man hier über Kunst redet. Seiner Meinung nach hätte diese
im Club-Kontext genauso wenig verloren wie Free Jazz auf einer
Schlagerparty.
Ratman wirft ein, dass allein die Betrachtung von Technik und
Individualität der Inhalte auch nicht der Frage nach Qualität gerecht
werden, sondern allein das Ergebnis. Als Beispiel nennt er Chris
Cunningham's genialen [Star Wars
Remix](http://www.youtube.com/watch?v=sxchw646zs4), bei dem weder
Inhalt, noch Technik besonders innovativ waren, das Ergebnis aber
trotzdem sehr respektabel ist.
[Stadkind](http://schallbild.de/) schließt sich mit der Aussage an, dass
der eigene Style am wichtigsten sei. Das Ziel sollte sein, dass sich die
Besucher nach einer Veranstaltung positiv an das VJ-Set oder die
positive Ausstrahlung der visuellen Atmosphäre erinnern. Als Seitenhieb
zu Pixelschubsers anfänglich geäußerten technokratischen Hierarchie
stellt er fest, dass ein Bäcker auch nicht dann gut sei, wenn er seinen
eigenen Ofen baue.
Ein VJ Neuling und ehemaliger Lightjockey schaltet sich in die
Diskussion ein und stellt fest, dass ihm die Reaktionen und das positive
Feedback seitens der feiernden Besucher am wichtigsten sei - woraufhin
movebandit sich zu der Aussage hinreißen lässt, dass man nicht einfach
alle VJs über einen Kamm scheren könne, da es ganz klar zwei Richtungen
gebe: den "Künstler-Typ" und den "Unterhalter-Typ", die man in der
Qualitätsbetrachtung unterscheiden müsse. Dieses Statement trifft auf
allgemeine Zustimmung.
[Titcher](http://www.myspace.com/dertitcher "MySpace Link") und Ratman
diskutieren über die Frage, ob solch eine Kategorisierung überhaupt
sinnvoll ist. Titcher meint, solange man sich als VJ immer
weiterentwickeln möchte und es immer etwas gibt, was man besser machen
könne, sei man gut. So bald man mit sich rundum zufrieden sei, wechsle
man zum VJ Typ "Unterhalter" und entwickle sich nicht weiter. Ratman
hält Kategorisierungen für unsinnig und findet es müßig darüber zu
streiten.
[Yochee](http://www.7dex.de/) greift den Diskussionsfaden auf und
findet, man müsse den Spagat schaffen, sich mit der eigenen Arbeit zu
identifizieren und sich treu zu bleiben und gleichzeitig der Masse zu
gefallen, für die man ja schließtlich die Visuals präsentiert. Er
schließt mit einem Zitat Picassos:
"*Seit die Kunst nicht mehr die Nahrung der Besten ist, kann der
Künstler seine Talente für alle Wandlungen und Launen seiner Phantasie
verwenden. Alle Wege stehen einem intellektuellen Scharlatanismus offen.
Das Volk findet in der Kunst weder Trost noch Erhebung. Aber die
Raffinierten, die Reichen, die Nichtstuer und die Effekthascher suchen
in ihr Neuheit, Seltsamkeit, Originalität, Verstiegenheit und
Anstößigkeit. Seit dem Kubismus, ja schon früher, habe ich selbst alle
diese Kritiker mit zahllosen Scherzen zufriedengestellt, die mir
einfielen und die sie um so mehr bewunderten, je weniger sie ihnen
verständlich waren. Durch diese Spielereien, diese Rätsel und Arabesken
habe ich mich schnell berühmt gemacht. Und der Ruhm bedeutet für den
Künstler: Verkauf, Vermögen, Reichtum. Ich bin heute nicht nur berühmt,
sondern auch reich. Wenn ich aber allein mit mir bin, kann ich mich
nicht als Künstler betrachten im großen Sinne des Wortes. Große Maler
waren Giotto, Tizian, Rembrandt und Goya. Ich bin nur ein Spaßmacher,
der seine Zeit verstanden hat und alles, was er konnte, herausgeholt hat
aus der Dummheit, der Lüsternheit und Eitelkeit seiner Zeitgenossen.*"
nonsleep hat vor ein paar Tagen den Thread wiederbelebt und meint dazu,
dass es ihm immer wichtig gewesen sei, dass seine Visuals "tanzbar" sind
und für ihn ein VJ dann 'gut' ist, wenn dieser die Stimmung auffängt,
wiederspiegelt und in die Höhe treibt. Wenn er ein Gefühl für
Bildharmonie und Rythmus hat...das Ganze eben ein Gesamtes gibt.
Den Thread gibt es [hier bei
vjcentral.de](http://www.vjcentral.de/topic.php?tid=141 "vjcentral.de")
Die Frage nach der Qualitätsbewertung eines VJs wird warscheinlich nie
klar beantwortet werden können und immer ein subjektives Thema bleiben,
jedoch lohnt es sich, darüber weiter zu diskutieren und die Diversität
der Aussagen als Gesamtergebnis zu betrachten. Kunst bleibt Kunst und
ebenso die Frage ob und in wie weit VJing überhaupt Kunst ist.